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Gekommen, um zu gehen

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Dieser Artikel ist bereits in der Dezember/Jänner-Ausgabe der an.schläge erschienen.

Über zehn Jahre nach dem Platzen der „Dotcom-Blase“ erleben Internet-Startups einen neuen Boom. Für die GründerInnenszene gilt: jung, männlich, erfolgreich.

Ein unscheinbares Schild in einem Hinterhof in Wien Margareten weist den Co-working-Space „Sektor5“ in der Siebenbrunnengasse aus. Auf insgesamt 580 Quadratmetern stehen hier Arbeitsplätze für „mobile ArbeiterInnen“ – FreiberuflerInnen und kleine Startups – zur Verfügung, Tickets können auch tageweise oder für einen Monat erworben werden. Statt Teppichboden und sterilen Büromöbeln gibt es hier Designerstühle und „Chillout Zones“, hinter der Bar beim Eingang stapeln sich Bierkisten und Club-Mate-Flaschen, ein Getränk, das in Deutschland den Beinamen „Hackerbrause“ trägt. Im „Sektor5“ ist auch der Verein AustrianStartups beheimatet, eine unabhängige Plattform, die die Sichtbarkeit der österreichischen Startup-Szene erhöhen möchte und Unterstützung für GründerInnen anbietet – wobei es derzeit überwiegend Gründer sind

Was ein Startup-Unternehmen eigentlich genau ist, lässt sich nur schwer in einer Lehrbuchdefinition festhalten. Für Christoph Jeschke, Geschäftsführer von AustrianStartups, sind es vor allem das große Wachstumspotenzial, Innovation und die Skalierbarkeit – sprich die Expansionsfähigkeit eines Geschäftsmodells –, die ein Startup ausmachen. „Nur weil ich wachsen möchte, muss ich dann nicht 25 neue Mitarbeiter anstellen“, sagt der 27-jährige Jeschke, der bereits in der Vermögensverwaltung und im Kulturmanagement gearbeitet hat und sich nun auf Online-Marketing spezialisiert; und verweist auf das Vorzeige-Startup Runtastic, das seine Sport- und Fitness-Apps von Oberösterreich aus in die ganze Welt verkauft.

Kein Krawattenzwang. CEO Florian Gschwandtner, der Runtastic mit 26 Jahren mitgegründet hat, gilt als Vorzeige-Unternehmer der österreichischen Startup-Szene. Es sind überwiegend junge Männer, Techniker und Betriebswirte, die sich auf den unzähligen Konferenzen und Vernetzungs-Events tummeln. „Your idea, 90 secs and 5.000 EUR. Sounds nice, right?“, ist in einer Veranstaltungsankündigung der Jungen Wirtschaft Steiermark zu lesen. Adressiert wird eine Zielgruppe von GründerInnen – auf entsprechenden Plakaten sind meist nur Männer zu sehen –, die kaum etwas mit der traditionellen Vorstellung des Unternehmers in Anzug und Krawatte zu tun haben. „Es gibt sehr flache Hierarchien und eine spielerische Unternehmenskultur in der Startup-Szene“, erzählt Jeschke. „Wenn es darum geht, einen Spaßminister im eigenen Startup anzustellen, der für gute Stimmung sorgt, sieht man schon, dass es nicht so ernst zugeht wie in einer Unternehmensberatung oder einer Bank.“

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Ada Lovelace Day – Wer war Marietta Blau?

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Der Name Marietta Blau ist euch vielleicht schon einmal an der Hauptuniversität Wien untergekommen: Dort ist ein (enger, finsterer) Seminarraum nach ihr benannt, der „Marietta-Blau-Saal“. Die österreichische Physikerin (1894-1970) hätte sich (zu Lebzeiten) eine andere Form der Anerkennung verdient.

„Marietta Blau ist die tragischste Gestalt in der Geschichte rund um die Kosmische Strahlung. Ihr Leben und ihre Arbeit waren von Widrigkeiten und Rückschlägen geprägt, und doch übertreffen ihre Leistungen und die Ergebnisse ihrer Arbeit die vieler anderer, die im Zusammenhang mit der Kosmischen Strahlung einen Nobelpreis erhielten.“ (Quelle)

Blau studierte Physik und Mathematik an der Universität Wien und promovierte 1919. Zunächst arbeitete sie in Berlin und Frankfurt im Bereich der Röntgenologie, kehrte 1923 jedoch nach Wien zurück, da ihre Mutter schwer erkrankte. Bis 1938 forschte sie am Physikalischen Institut und am Institut für Radiumforschung, ein Semester verbrachte sie bei Marie Curie in Paris. Zurück in Wien arbeitete sie unbezahlt am Institut und war auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Als sie um eine Anstellung ansuchte, erhielt sie folgende Antwort: „You know, you are a woman and a Jew, and the two together are simply too much.“ (Quelle)

In Wien beschäftigte sich Marietta Blau hauptsächlich mit der photographischen Methode zum Nachweis einzelner Teilchen. Gemeinsam mit ihrer Schülerin Herta Wambacher, mit der sie als Höhepunkt ihrer gemeinsamen Arbeit die „Zertrümmerungssterne“ in kosmischer Strahlung ausgesetzter photographischer Emulsion entdeckte, erhielt Marietta Blau 1937 den Ignaz-L.-Lieben-Preis im Wert von 1.000 Schilling.

1938 musste Blau emigrieren und forschte und arbeitete in Oslo, Mexiko-Stadt und später in den USA. Zurück in Österreich arbeitete sie abermals unbezahlt am Wiener Radiuminstitut. Sie leitete unter anderem eine Arbeitsgruppe, die photographische Aufnahmen von Teilchenbahnspuren von Experimenten am CERN analysierte. Zweimal wurde Marietta Blau (von Erwin Schrödinger und Hans Thirring) für den Nobelpreis vorgeschlagen, 1950 erhielt ihn jedoch der britische Physiker Cecil Powell, der sich auf die Pionier_innenarbeit von Blau gestützt hatte. 1962 wurde ihr der Erwin-Schrödinger-Preis verliehen, eine Aufnahme in die Österreichische Akademie der Wissenschaften blieb jedoch aus.

1970 starb Marietta Blau an Krebs, vermutlich aufgrund des jahrelangen ungeschützten Arbeitens mit radioaktiven Substanzen.

Link: Ausführliche Informationen zu Marietta Blau

Immer wieder Heidi Klum

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In den vergangenen Tagen ist mir der Link zu folgendem Artikel: „Brust raus, Bauch rein, Hirn aus“ in die Timeline verschiedener Social-Media-Plattformen gespült worden. Ein Journalist der „Hannoverschen Allgemeinen“ analysiert die „fatale Botschaft“, die Heidi Klum in „Germany’s Next Top Model“ verbreitet und widmet sich in seinem polemischen Text dem „kaltherzigen“ und anpassungsfähigen TV-Model. „Das Leben, heißt die traurige Klum-Botschaft, ist ein durchökonomisierter Prozess, in dem Fremderwartungen stets zu erfüllen, Maximalziele zu setzen, Körper dem Ideal nachzubilden und Unwuchten in Geist und Seele abzutrainieren sind. Gefallen als Lebenszweck – propagiert by Heidi Klum“, ist da zu lesen. Wie Imre Grimm da über Klum und ihre Model-Show ablästert, ist sehr unterhaltsam und irgendwie auch befreiend, aber irgendetwas hat mich sogleich an dem Text gestört – und zwar der ausschließliche Fokus (inkl. Sexismen) auf Heidi Klum.

„Germany’s Next Topmodel“, das wohl erfolgreichste Reality-Format überhaupt, zählt mittlerweile acht Staffeln, die Einschaltquoten bleiben trotz Endlos-Wiederholung auf hohem Niveau (zwischen 15 und 25 Prozent in der „werberelevanten“ Zielgruppe). Erfunden hat die Sendung jedoch nicht Heidi Klum, die deutsche Version von „America’s Next Top Top Model“ (Idee: Tyra Banks) hat der TV-Sender ProSieben  umgesetzt und zunächst von  „Tresor TV“, dann von „RedSeven“ produzieren lassen. 2006 wurde das Format erstmals ausgestrahlt und entwickelte sich zum ganz großen Geschäft. Es scheint fast so, als hätten Gilette und die L’Oreal-Tochter Maybelline das Konzept geschrieben: Make-up und glatt rasierte Körperteile sind integraler Bestandteil jeder Folge, die dazugehörigen Unternehmen sind nicht nur in den vielen Werbepausen zu sehen, sondern treten in der Serie als „ArbeitgeberInnen“ auf, die „Jobs“ an die Nachwuchs-Models zu vergeben haben.

„Germany’s Next Topmodel“ ist also soetwas wie eine verfilmte Frauenzeitschrift à la Cosmopolitan: Redaktionellen Inhalt gibt es nicht wirklich, vielmehr wird da Rahmenprogramm für Lippenstift- und Kleinwagen-VerkäuferInnen geschaffen. Mit Heidi Klum hat ProSieben die ideale Botschafterin für den Konsum an sich („Mit meinem ersten Model-Gehalt habe ich mir eine Rolex gekauft“) gefunden, die Ex-Kandidatinnen und Staffel-Siegerinnen werden in anderen Formaten des Senders untergebracht oder zumindest interviewt. So sitzen etwa die ausgeschiedenen Bewerberinnen regelmäßig auf der Couch von Stefan Raab, der in „TV Total“ verzweifelt nach lustigen Facetten der Model-Show sucht.

Stefan Raab, der wohl einzige Moderator, der auf ProSieben noch häufiger als Heidi Klum zu sehen ist, steht am anderen Ende der Skala: Witzig, lässig, unverschämt und aufdringlich – ein echter Kerl eben. Auch Klaas Heufer-Umlauf  und Joko Winterscheidt dürfen seit Februar auf ProSieben Wett-Kotzen und die Reeperbahn erkunden. Die beiden Moderatoren, die Sexismus unglaublich lustig finden, sind ebenfalls richtig gut im Unsinn-Machen und stellen den Gegensatz zu den Fraufiguren dar, die der deutsche TV-Sender in vielen seiner Formate präsentiert. „Nur die Industrie habe Mittel, wahre Schönheit zu generieren, lautet das Credo von Klum, deren Karriere auf einem ‚Sports Illustrated‘-Bikinifoto fußt – und die trotz gegenteiliger privater Erfahrungen offenbar weiterhin dem Irrtum erlegen ist, dass beständiges Streben nach ‚Professionalität‘ Glück verheißt“, schreibt Imre Grimm. Klum, die in den Medien gerne mal als „Pascha“ und „strafende Lehrerin“ bezeichnet wird, hat sich das also alles ausgedacht?

Immer wieder erscheinen Artikel, in denen die (zugegeben nicht sehr sympathische) Heidi Klum vorgeführt und für ihre grausame Art, jungen Mädchen das letzte Quentchen Selbstachtung zu rauben, kritisiert. Die Maschinerie hinter dem ganzen Konzept wird dabei oftmals ausgeblendet: die Kosmetik- und die Werbeindustrie und nicht zuletzt der TV-Sender, der das alles möglich gemacht hat. „Denn sie wissen, was sie tun„, schreibt Hannah Suppa in ihrer Replik und bringt ein Argument ins Spiel, das ebenso häufig zu finden ist: „Es ist billig, diese Glitzer-Nagellack-Welt mit den immer gleichen Phrasen (‚Nur eine kann GNTM werden!‘) als Untergang des Abendlandes abzutun. Denn es misst dem Ganzen mehr Bedeutung zu als nötig. Es geht hier um eine Unterhaltungsshow.“ Natürlich, alles nur ein großer Spaß. Schließlich sitzen die „Mädels-Runden“ zuhause ganz selbstbewusst vor dem Fernseher und eignen sich die Inhalte der Show auf „ironische Weise“ an, lachen über die heulenden Kandidatinnen und verwandeln schon mal das eigene Wohnzimmer in einen „Catwalk“.

Natürlich, wir haben die Texte der Cultural-Studies-Theoretiker_innen gelesen und wissen, dass es nicht besonders klug ist, von einer simplen „Übernahme“ von Medieninhalten durch die Rezipient_innen ausgehen. Schließlich gibt es verschiedene Lesarten und Medienwissenschafter_innen und Psycholog_innen weisen immer wieder darauf hin, dass es darauf ankommt, wie Jugendliche mit bestimmten Botschaften umgehen. „Sie (Heidi Klum) wird dafür bezahlt, eine Unterhaltungssendung zu machen. Und solange die Menschen einschalten, sich der ‚Venus Spa Breeze‘-Rasierer oder der Caffé Latte mit Topmodel-Aufdruck gut verkaufen, wird das so bleiben“, meint Hannah Suppa. Die vielen Zuschauerinnen wollen das also sehen – selbst schuld!
Aber wie war das? Unsere (Konsum-)Wünsche entstehen dann doch nicht aus dem Nichts oder einem „natürlichen“ Trieb. Vielmehr wachsen wir auf in einer kommerziellen Medienkultur, die uns auf allen Kanälen Zugang zum Heidi-Klum-Universum verschafft.

Nur absolute Medien-Verweiger_innen werden (in Österreich und Deutschland) diesen Namen noch nie gehört haben und „Cover-Shooting“ und „Concealer“ sind wohl fester Bestandteil des Wortschatzes einer durschschnittlichen 12-Jährigen. Fernsehsender wie ProSieben betreiben ein Mainstreaming solcher Inhalte, wir fragen uns nicht mehr, warum auf der Titelseite der „Cosmopolitan“ eigentlich immer eine junge Frau im engen Kleid zu sehen ist, sondern höchstens noch, ob denn nicht auch mal weniger „perfekte“ Models gezeigt werden könnten.

„Und die Eltern applaudieren. Die Mädchen als Ware, die Körper austauschbar, der Mensch egal. Natürlich sind die Körper Requisiten. Das ist der Job. Hier geht es nicht darum, wer den besten Charakter hat oder Schillers ‚Glocke‘ rezitieren kann, es geht um Oberflächlichkeiten. Die Modewelt ist eine eigene. Hier wird nicht das Ideal der Frau von heute vorgeführt, sondern das Ideal für eine bestimmte Berufsgruppe“, so die Journalistin. Mal abgesehen davon, dass „Germany’s Next Topmodel“ recht wenig mit der „Modewelt“ zu tun hat, lernen die Teenager vor dem Fernsehgerät, dass eben die Casting-Kandidatinnen ProSieben-Shows moderieren dürfen und in der „Bild“ abgelichtet werden. Hier haben die Medienkonzerne tatsächlich ihre eigene Welt geschaffen: das Berufsbild des/der C-Prominenten. Und damit eine Aufstiegsmöglichkeit, die Chance auf Gucci-Kleider und Rolex-Uhren. Und ein bisschen Ruhm.

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Hier einige Links zu Debatten der vergangenen Wochen:

Im Sigmund-Freud-Park wurde Ende November das Refugee Protest Camp Vienna errichtet. „Flüchtlinge sind am 24. November von Traiskirchen nach Wien marschiert, um auf ihre politische Anliegen aufmerksam zu machen. Seitdem haben sie ein Protestlager im Sigmund-Freud-Park errichtet. Mit ihrer Initiative machen sie darauf aufmerksam, dass im Asylverfahren sowie im System der Grundversorgung große Mängel herrschen. Obwohl sie einen prekären legalen Status haben und von Abschiebung bedroht sind, kämpfen sie für ihre grundlegenden Menschenrechte.“ Am 18.12., dem Internationalen Tag der MigrantInnen, laden die Protestierenden zum „Tag der offenen (Zelt)Türe„. Eine Liste mit Dingen, die vor Ort gebraucht werden, findet ihr hier.

Alice Schwarzer hat am 3. Dezember ihren 70. Geburtstag gefeiert. Für Aufregung hat vorab unter anderem das Buch „Alice im Niemandsland: Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor“ von Miriam Gebhardt gesorgt. Die Antwort auf diese und andere Kritik  liest sich auf Emma.de folgendermaßen: „Alice Schwarzer: Für immer Punk.“ Einige Bloggerinnen der Mädchenmannschaft haben sich den Debatten rund um Schwarzer angenommen: „Hallo, ich bin Feministin und mich gibt es nicht“, schreibt Charlott und analysiert das Bild, das von Feminismen in deutschen Medien gezeichnet wird. „Ich finde, dass Anti­rassismus, Anti­faschismus, Anti­heterosexismus, Anti­ableismus, … nicht optional für femi­nistische Be­wegungen sind, sondern un­verzicht­bare Bestand­teile“, schreibt Accalmie und meint abschließend: „Daher laufe ich lieber alleine.“ Eine ausführliche Analyse gibt es auch auf Medienelite.de: „Alice Schwarzer und der Personenkult„.

Der 25. November wurde der „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ begangen. In Österreich wurden in den vergangen Wochen mehrere Frauen von ihren
(Ex-)Partnern ermordet oder verletzt, zahlreiche Journalist_innen bezeichneten diese Taten wie so oft als „Familiendrama“ bzw. „Familientragödie“. Sandra Ernst Kaiser kritisiert diese Berichterstattung auf diestandard.at: „Die tickernde Geschmacklosigkeit„. Einen Blogbeitrag dazu gibt es auch von Niki Kowall von der Sektion Acht. Hinweis: Die kostenlose Frauenhelpline 0800/222 555 bietet auch während der Weihnachtsfeiertage rund um die Uhr anonyme Hilfe bei Gewalt.

Weitere interessante Blogbeiträge:

Ulli hat auf ihrem Blog den Film „Der lange Arm der Kaiserin“ über die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs in Österreich rezensiert.

Paul hat sich auf Puls 4 die Diskussion über die Aufklärungsbroschüre „Ganz schön intim“, die unter anderem von ÖVP und FPÖ skandalisiert wurde, angesehen.

Bei Fernseherkaputt findet ihr interessante TV-Empfehlungen.

Helga bietet einen Überblick über wissenschaftlichen Studien zu Doppelstandards in der Arbeitswelt.

Porrporr hat nicht nur einen Twitter-Account, sondern auch ein Blog – vorbeischauen lohnt sich.

 

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Am 5. November findet die 2. Enquete der 20000frauen statt – diesmal zum Thema „Frauen.Körper.Politik„. Das Programm ist äußerst spannend, nachdem die Plätze begrenzt sind, solltet ihr euch möglichst bald per Mail anmelden. (Programm als PDF)

In Österreich sorgt Christine Bauer-Jelinek derzeit für Aufregung. Sie hat das Buch „Der falsche Feind“ veröffentlicht und beklagt unter anderem die angebliche Verdrängung der Männer. In einem Kommentar in der Presse schreibt sie: „Heute gehört die Wohnung der Frau. Obwohl jedes Kind Anspruch auf ein eigenes Zimmer hat, kann der Mann oft nicht einmal eine Ecke für sich allein nutzen; da gibt es keinen fixen Platz am Tisch, oft nicht einmal einen Fernsehsessel.“ Was meint ihr – was braucht es angesichts dessen? Parodie, Protest – oder sollte mensch die Autorin einfach ignorieren?

Am Wochenende sind in Wien KindergartenpädagogInnen auf die Straße gegangen, um gegen die herrschenden Arbeitsbedingungen zu protestieren. Einen Bericht darüber gibt es auf diestandard.at.

Auf migrazine.at gibt es aktuell einen Schwerpunkt zu Roma & Selbstorganisierung. „Unter der politischen Bezeichnung ‚Roma‘ organisieren sich Roma, Sinti, Jenische, Kalé, Lavara u. a. in verschiedenen Gruppen und kämpfen für ihre Rechte. Denn obwohl sie seit fünf Jahrhunderten in Europa ansässig sind, müssen sie nach wie vor als Projektionsfläche für rassistische Fremdbilder herhalten.“

Wer nicht an der FrauenSommerUni Wien teilnehmen konnte oder einen Vortrag/Workshop verpasst hat, kann hier die Video-Mitschnitte einzelner Beiträge ansehen.

Nachdem die amerikanische Nachrichtensprecherin Jennifer Livingston von einem Zuseher aufgrund ihres Körpergewichts als „schlechtes Vorbild“ bezeichnet worden war, entgegnete sie ihm mit diesem inspirierenden Kommentar: (Magda von der Mädchenmannschaft erklärt hier, welche Aspekte sie trotzdem problematisch findet)

Die neuen an.schläge sind da! Schwerpunkt-Thema diesmal: „Armut„. (z.B.: Interview mit Luce Irigaray)

Lady Bitch Ray ist zurück – Biber hat die Künstlerin interviewt.

Ein spannendes Interview mit der Gebärdensprachdolmetscherin Elke Schaumberger ist auf dastandard.at zu lesen.

Aktuell im Kino: Die Verfilmung des großartigen Romans „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Vina Yun hat den Film auf diestandard.at rezensiert.

Fernseher kaputt hat einen Text über Stermann und Grissemann und ihre sexistischen/rassistischen/antisemitischen Tabubrüche veröffentlicht: „Willkommen Pseudotabubruch

„Frauen sitzen am entscheidenden Hebel“

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Für die September-Ausgabe der an.schläge habe ich Frigga Haug zum Schwerpunkt „Wie wollen wir arbeiten und leben?“ interviewt. 

Die deutsche Soziologin und Philosophin Frigga Haug denkt schon seit Jahren über eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen nach – „eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist“.

In Ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ geht es u.a. um die Entwicklung der menschlichen Sinne und der Kultur. Dürfen wir in Zeiten von Finanz- und Staatsschuldenkrise über solche Dinge nachdenken?

Die große Krise trifft die einzelnen ja nicht unmittelbar in der Form der Staatsschuld oder des Bankencrashs, sondern anders: als Bedrohung von Arbeitslosigkeit und Armut, als Zweifel an der Planbarkeit des Lebens. Kurz: Die Krise nötigt auch zur Besinnung auf den Sinn des Lebens, die eigene Stellung in der Gesellschaft, auf nützliches Tun. Dies ist ja genau der Moment, an dem über ein gutes Leben, jenseits von Konsum und immer mehr Konsum, nachzudenken ist. Zum guten Leben aber gehört für mich die Entwicklung aller Sinne, also auch künstlerische Potenziale in sich zu entdecken und zu pflegen, genussvolle Tätigkeiten anzustreben, kurz, sich als Mensch und eben nicht als KonsumentIn zu bejahen.

Die „Vier-in-einem-Perspektive“ verbindet die Bereiche der fürsorgenden Arbeit, des politischen Engagements, der persönlichen Entwicklung und der Erwerbsarbeit, die radikal gekürzt werden soll. Es geht dabei also um eine gerechtere Verteilung von Zeit – und nicht von Arbeit?

Natürlich geht es um eine gerechte Verteilung von Arbeit – d.h. um das Recht auf einen Erwerbsarbeitsplatz, das Recht auf fürsorgende Arbeit, auf die Entwicklung seiner Fähigkeiten, auf politische Arbeit. Um über diese vier Bereiche als Arbeit zu sprechen und gehört zu werden, braucht es eine Kulturrevolution. Zu fest sitzen die alten Gewohnheiten als Vorstellung in den Köpfen. „Willst Du im Ernst sagen, dass es genauso Arbeit ist, wenn ich zuhause Cello spiele, als wenn ich im Bergwerk arbeite?“, fragte mich eine Mitstreiterin empört. Man hört die Verachtung des Cellospiels als Luxus und erkennt den Blick auf Erwerbsarbeit festgeheftet an vergangene Formen männlicher Lohnarbeit und die damit einhergehende Achtung, dass nur dies zu respektieren sei. Reproduktionsarbeit verwandelt sich unvermittelt ins Windeln wechseln, als stünde hier nicht in Frage, wie Menschen sich menschlich zueinander verhalten. Hier umzudenken ist ein langer Prozess. Er ist notwendig. Einfacher, wenn auch abstrakter scheint die Einigung, dass in jedem Fall um die Verfügung über Zeit zu kämpfen ist – mit dem Ziel der selbstbestimmten Zeit für alle vier Bereiche. Arbeit ist Zeitverwendung. Ausbeutung ist Verfügung über fremde Arbeitskraft und somit Zeit. Die Themen hängen also ineinander.

In Diskussionen über eine Arbeitszeitverkürzung wird sehr schnell die Frage gestellt: Wer soll das bezahlen?

Diese Frage ist an sich ungeheuerlich. Sie fragt vor dem Hintergrund einer so großen Produktivkraftentwicklung, dass nur noch die Hälfte oder weniger der notwendigen Arbeitszeit gebraucht wird, um die gesellschaftlich notwendige Arbeit zu erledigen. Wenn man also die Erwerbsarbeitszeit nicht entsprechend verkürzt, heißt das, man schafft Arbeitslose. Wer zahlt diese? Oder steht hinter der Frage gar die Idee, man sollte die Arbeitslosen verhungern lassen und aus der Gesellschaft rauswerfen – sie „an den Rändern verlieren“, wie Peter Hartz, der Autor der Hartz-IV-Regelung, vorschlug? Mit anderen Worten: Die jetzige Lösung stuft einfach einen Teil der Bevölkerung aufs Existenzminimum und bezahlt nur den anderen Teil, stets weniger übrigens, wenn man nicht zu den ganz Oberen gehört. Aber bezahlt werden muss in jedem Fall. Gerechte Verteilung des erarbeiteten gesellschaftlichen Reichtums auf alle setzt eine radikale Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit voraus.

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Frau Johansson hält eine Rede (mit Foto)

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Wir kennen das: Wenn Frauen öffentlich sprechen, dann richtet sich der mediale Fokus nicht (nur) auf Inhalte, sondern auf die Verpackung. Welches Kleid trägt sie? Ist eine solche Hose bei einem Parteitag erlaubt? Handelt es sich dabei um Stars und Sternchen, so rückt der Text noch mehr in den Hintergrund, um dem Bild Platz zu machen.

Bei der Convention der US-DemokratInnen hat jüngst Scarlett Johansson gesprochen. Dass die Fotos von ihrer Rede in einem Online-Medium für Traffic sorgen, ist evident. Aber was hat die Schauspielerin denn eigentlich gesagt? Wer das auf derstandard.at nachlesen möchte, wird leider nicht fündig werden. Während mensch sich bei anderen Medien zumindest bemüht hat, ein, zwei Sätze den Inhalten zu widmen, so hat sich die Standard-Redaktion auf das Wesentliche beschränkt. Das Resultat: der Nachrichtenwert des Jahres:

Scarlett Johansson hält eine politische Rede und reißt dabei die Arme in die Höhe

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