5 Filmtipps zum Thema Klasse/Klassismus

Die nächsten Interviews mit Aktivist_innen/Autor_innen…  folgen, versprochen, damit sich auf dem Blog endlich wieder etwas tut: 5 äußerst sehenswerte Filme, die sich mit Klassenverhältnissen auseinandersetzen:

1. Moonlight (2016)
„Moonlight“ (Regie: Barry Jenkins) erzählt vom Leben eines jungen, schwulen Afroamerikaners und hat zurecht den Oscar in der Kategorie Bester Film gewonnen: mutig, innovativ, ein Lehrstück in Sachen race, class, gender als gesellschaftliche Platzanweiser.

 

2. Wendy and Lucie (2008)
Regisseurin Kelly Reichhardt erzählt die Geschichte von Wendy (Michelle Williams), die mit ihrer Hündin Lucy durch die USA reist und keinen festen Wohnsitz hat. Bedrückend – und niemals voyeuristisch.

 

3. Lichter (2003)
Hans-Christian Schmid hat diesen Episodenfilm an der deutsch-polnischen Grenze angesiedelt. „Ein sorgsam ausbalanciertes Zeitbild zwischen Melodram und Sozialrealismus: der eindringlichste und wichtigste deutsche Film seit langem.“

 

4. Die Alpensaga (1976-1980)
6-teiliges Fernsehdrama von Peter Turrini und Wilhelm Pevny, das mit den Konventionen des Heimatfilms bricht und das Leben in einem oberösterreichischen Dorf zwischen 1900 und 1945 porträtiert.

 

5. Maria voll der Gnade (2004)
Der in den USA und Kolumbien produzierte Film erzählt die Geschichte der jungen Arbeiterin Maria, die auf der Suche nach einem besseren Leben Drogen in ihrem Körper in die USA schmuggelt.

Filmtipp: Sameblod

In „Sameblod“ erzählt die schwedische Regisseurin Amanda Kernell die Geschichte von Christina bzw. Elle Marja, so ihr samischer Name. Im Schweden der 1930er-Jahre wächst die junge Frau in einer Internatsschule auf, die ausschließlich Sami-Kindern vorbehalten ist. Die staatlich legitimierte Rassenlehre schreibt der indigenen Bevölkerungsgruppe Nordschwedens mangelnde intellektuelle Fähigkeiten zu, Samen gelten in der Bevölkerung als schmutzig und minderwertig. Elle Maria, die davon träumt, Lehrerin zu werden, gelingt der Ausbruch aus ihrer Umgebung nur, indem sie die allgegenwärtige Abwertung selbst verinnerlicht und sich fortan Christina nennt.

Mit ihrem Debut ist Kernell ein außergewöhnlicher Film gelungen, es ist eine berührende Geschichte, die deutlich macht, wie Rassismus und Klassismus zusammenspielen und welche Folgen diese toxische Mischung für die schwedische Gesellschaft hatte. Dringende Empfehlung!

Gesehen: Filme, Comedy & Co

Nachdem mir wie immer die Zeit für einen ausführlicheren Blogbeitrag fehlt, teile ich meine persönlichen Highlights aus Film und Fernsehen der vergangenen Monate mit euch. Empfehlung!

Dass Melissa McCarthy eine der großartigsten Comedians der Gegenwart ist, hat sie mit ihrer Sean Spicer Parodie wohl endgültig bewiesen. Hier die Auftritte, die ihr vermutlich eh schon alle gesehen habt.


Außerdem: Spice-Parodie Nr. 1 + Nr. 3.

 

Ich habe eine große Schwäche für Endzeit-Science-Fiction. Wenn die Protagonistinnen dann auch noch zwei Schwestern sind und eine von Ellen Page gespielt wird, ist der Mix perfekt. Empfehlung für „Into the Forest„:

 

Brit Marling ist eine meiner absoluten Lieblingsschauspieler*innen. In „Sound of My Voice“ verkörpert sie eine kalifornische Sektenführerin, die behauptet, aus dem Jahr 2054 zu kommen.

 

Bei „The Fall“ bin ich ambivalent: Einerseits kann ich keine Filme und Serien mehr sehen, in denen es um „Frauenmörder“ geht oder um Vergewaltigungsopfer, die Rache nehmen, aber da ist die großartige Gillian Anderson, in die man sich in dieser britischen Serie als Detective Superintendent Stella Gibson nur verlieben kann. Wer den den Serien-Titel in eine Suchmaschine eingibt, findet auf Anhieb berechtigte Kritik an „The Fall“ – aber habe ich Gillian Anderson schon erwähnt?

 

Berlin 2015: 140 Minuten, eine Kameraeinstellung: „Victoria“ muss mensch gesehen haben.

Verlinkt

„Außen behaart, innen verschlackt“: Die an.schläge im Herbst widmen sich dem Thema weibliche Reinheit.

Auf Diestandard.at habe ich zuletzt über den Marxismus-Feminismus-Kongress, die rechte Angst vor der „Gender-Ideologie“, tolle deutschsprachige Bloggerinnen mit Behinderung und die ägyptische Frauenrechtsaktivistin Mozn Hassan berichtet.

„Eine Verschärfung des Abtreibungsrechts wurde vorerst gestoppt. Aber auch so leiden viele Frauen“ – lesenswerter Text auf Freitag.de.

„Was Hillary Clintons Gesundheitszustand mit deinen Krankentagen zu tun hat“ – äußerst lesenswerter Beitrag von Charlott auf der Mädchenmannschaft.

Protest gegen die österreichische „Notverordnung„: sehenswerter Beitrag auf WienTV.

Für alle mit Netflix-Account: Die DokumentationShe’s Beautiful When She’s Angry“ über die US-amerikanische Frauen*bewegung kann ich euch wärmstens empfehlen.

Zum aktuellen Missy-Magazine durfte ich einen Kommentar zum Thema Hass gegen Politiker*innen beitragen.

Die österreichische Armutskonferenz macht sich gegen die Angriffe auf die Mindestsicherung stark.

Linke Bewegungen wie Podemos und Nuit Debout klingen oft wie Rechtsradikale“, spannendes Interview mit dem französischen Soziologen Didier Eribon in der Zeit.

Einschalten/abschalten

An dieser Stelle gibt es wieder einmal TV- und Film-Tipps. Keine Neuerscheinungen, aber Filme und Serien, die ich in letzter Zeit gesehen habe und gerne mit euch teilen würde. Ich wünsche euch noch einen schönen Sommer!

Top of the Lake
Mini-Krimiserie der großartigen neuseeländischen Regisseurin Jane Campion („Das Piano“). Detaillierte Infos zur Serie auf Arte.tv.

Wadjda
Ein widerständiges 11-jähriges Mädchen träumt vom Fahrradfahren in den Straßen von Riad – der erste Spielfilm der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour.

Wendy and Lucy
„Wendy besitzt die Hündin Lucy. Die Frau reist nach Alaska, wo sie auf einen einträglichen Job in einer Fischfabrik hofft. Ihr Auto gibt unterwegs in Oregon den Geist auf, was Wendy in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Sie wird obdachlos.“ 2008 veröffentlichter Film der Regisseurin Kelly Reichardt, in der Hauptrolle Michelle Williams. Bedrückend realistisch.

Private Revolutions
Über „Private Revolutions“ habe ich bereits in den an.schlägen einen Text veröffentlicht. Der großartige Dokumentarfilm über Frauen*-Kämpfe in Ägypten wird laut Infos auf der Website im Herbst in den deutschen Kinos starten.

The East
Obwohl ich viele Kritikpunkte anführen könnte, könnte ich mir den Film zwanzig Mal anschauen. Weil: sehr unterhaltsam und mit Brit Marling, Ellen Page, Patricia Clarkson und Alexander Skarsgard.

Fish Tank

Letztens habe ich zufällig „Fish Tank“ in meiner Videothek entdeckt, ein britischer Film, den ich 2009 leider verpasst habe. Er erzählt die Geschichte der 15-jährigen Mia, die in prekären Verhältnissen zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Essex lebt. Hauptdarstellerin Katie Jarvis legt eine unglaubliche Performance hin, ein Nachwuchs-Talent, das Regisseurin Andrea Arnold zufällig entdeckt hat. „Fish Tank“ thematisiert soziale Verhältnisse am Schnittpunkt von Klasse und Geschlecht und schließt damit an eine britische Tradition an, „doch wo der Social Realism der Altmeister oft zu sehr in Richtung Sozialromantik driftet, fügt Andrea Arnold, die mit ihrem Kurzfilm Wasp 2005 einen Oscar gewann, dem Genre eine neue, aggressivere Nuance hinzu“ (spiegel.de). Anschauen!