Die Hose von Johanna Dohnal & Love Me Gender

Aus aktuellem Anlass zwei Veranstaltungshinweise:

Aufräumen – Drei Frauen finden die Hose von Johanna Dohnal

„Das Grazer Theater im Bahnhof nimmt die Geschichte der früheren, feministischen SPÖ Politikerin Johanna Dohnal zum Ausgangspunkt für eine kritische Selbstbefragung und Bestandsaufnahme des Feminismus in Österreich. Aufräumen – Drei Frauen finden die Hose von Johanna Dohnal ist eine tiefsinnige, humorvolle und ehrliche Selbstreflexion, die herausfordert, die eigene Haltung zu überprüfen, und zeigt, dass die „Dohnalisierung der Republik noch längst nicht abgeschlossen ist“ (Kleine Zeitung). „Fundiert, pointiert, ironisch“ lobt die Jury des Bestoffstyria Preises das ausgezeichnete Stück.

Das Stück wird am 22. und 23. November um 20:00 Uhr im Veranstaltungszentrum der VHS in der Otto-Bauer Gasse gespielt.“ (Aus dem Pressetext)

Johannes Gellner

(c) Johannes Gellner

 

Ebenfalls noch aktuell: LOVE ME GENDER – Performing Feminisms
im großartigen KosmosTheater
Do, 3.11. – Sa, 26.11.

“Vier Wochen widmet das KosmosTheater heimischen und internationalen KünstlerInnen – von Newcomern bis Arrivierten – deren Arbeiten sich an den Schnittstellen zwischen gender politics, Forschung, zeitgenössischem Tanz, Musik, visueller Kunst, Installation und Theater bewegen. Im Fokus liegen unterschiedliche feministische Ansätze, künstlerisch und politisch kreative wie provokante Fragestellungen und das Interesse an Reibungsflächen.” (Aus dem Pressetext)

Legal, illegal

Dieser Text in der Ausgabe VII/2015 der an.schläge erschienen. 

Kaum ein kulturpolitisches Thema wird so emotional diskutiert wie das Urheberrecht. Der Schutz geistigen Eigentums gibt einen Einblick in ökonomische und vergeschlechtlichte Strukturen der Musikwirtschaft.

Am 1. Oktober ist in Österreich eine Regelung in Kraft getreten, deren vorangegangene Diskussion die Filmemacherin Eva Spreitzhofer („Kunst hat Recht“) als „Vorhölle“ bezeichnet. Die neue Urheberrechtsabgabe, genannt Festplattenabgabe, bleibt auch nach ihrer Einführung höchst umstritten. Sie umfasst nun Speichermedien aller Art – neben PCs und Handys etwa auch digitale Bilderrahmen – und soll heimischen Künstler_innen bzw. deren Verwertungsgesellschaften zugute kommen. Konsument_innen werden zur Kasse gebeten, da sie auf ihren Festplatten Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken gespeichert haben (könnten). Musik, die früher auf das Mixtape oder den CD-Rohling kopiert und durch die Leerkassettenabgabe besteuert wurde, befindet sich heute – so sie nicht längst per Streaming-Dienst konsumiert wird – überwiegend auf dem Notebook oder dem MP3-Player. Was die einen als angemessene Kompensation für Künstler_innen im digitalen Zeitalter sehen, verurteilen andere als realitätsferne und wenig treffsichere Strafsteuer. „Die Diskussion wurde von allen Seiten immer schon sehr emotional geführt“, erzählt Elisabeth Hakel, die als Kunst- und Kultursprecherin der SPÖ die Urheberrechtsnovelle mitverhandelt hat. „Es hat lange keine Einigung gegeben, weil die Meinungen extrem auseinandergegangen sind.“

„Scheiß-Internet“. Auf Seiten der Künstler_innen ist es die Initiative „Kunst hat Recht“, die auf ein rigides Urheber_innenrecht beharrt und vielen Netzaktivist_innen als Feindbild gilt. Die „Initiative für das Recht auf geistiges Eigentum“, der etwa Anja Plaschg (Soap&Skin) und Hubert von Goisern angehören, kritisiert „den Trend zur Gratiskultur“ im Internetzeitalter und spricht gar von einer Enteignung der Kunstschaffenden. 2013 wurde „Kunst hat Recht“ mit dem Schmähpreis „Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten“ ausgezeichnet – eine Erfindung des Künstler_innenkollektivs Monochrom. Wolfgang Lorenz, ehemaliger Programmdirektor des ORF, sprach bei einer Podiumsdiskussion 2008 vom „Scheiß-Internet“, in das sich junge Menschen „verkriechen“ würden, und wurde damit zur Symbolfigur für Kulturpessimismus und Internetskepsis. Auch der Musikindustrie, allen voran den Major Labels, wird nachgesagt, das Internet mit all seinen Möglichkeiten für die Nutzer_innen ausschließlich als Bedrohung wahrzunehmen. Tatsächlich sind die Umsätze der globalen Musikindustrie ab dem Jahr 1999 massiv eingebrochen. Während 1999 weltweit noch 26,6 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden, waren es 2014 nur noch knapp 15 Milliarden. Bereits 1980 befürchtete die British Phonographic Industry den Zusammenbruch des Tonträgermarkts aufgrund privater Aufnahmen mit Kassettenrecordern und rief die Kampagne „Home Taping Is Killing Music“ aus, doch die 1990er-Jahre sollten das goldene Zeitalter der Schallplattenindustrie werden. Künstler_innen können heute nicht mehr an die Verkaufszahlen jener Zeit anschließen. So ist es wenig verwunderlich, dass die Liste der weltweit meistverkauften Alben Künstler_innen wie Michael Jackson und Whitney Houston anführen, selbst die Spice Girls liegen deutlich vor Adele oder Britney Spears.

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Vom Burgtheater und anderen patriarchalen Krisenfeldern

Dieses Interview mit Barbara Klein ist bereits in der Mai-Ausgabe der an.schläge erschienen. 

Nachdem Matthias Hartmann im März fristlos entlassen wurde, steht nun mit Interimsdirektorin Karin Bergmann erstmals eine Frau an der Spitze des Burgtheaters. Überrascht dich das?

Barbara Klein: Nein. Wo aufgeräumt werden muss, greift man gerne auf Frauen zurück. Karin Bergmann hat auch selbst in einem Interview gesagt, dass sie schon als Trümmerfrau bezeichnet wird. Außerdem gibt es für sie keine Gewissheit darüber, ob sie als Direktorin bleiben darf, wenn sie das will. Sie muss das Desaster jetzt in Ordnung bringen, da wird wohl Menschenunmögliches von ihr verlangt. Und das, nachdem die gesamten Aufsichtsräte versagt haben. Das ist wirklich unglaublich, vor allem wenn ich daran denke, dass bei uns in der Freien Szene jede Rechnung dreimal umgedreht wird. Und am Burgtheater sind die Millionen einfach so ausgegeben worden auf irgendwelche mündlichen Zusagen hin. Dabei haben die dort Aufsichtsräte und eine Holding – die wir nicht haben. Wie kann das also passieren? Solche Ereignisse sind schlecht für die zeitgenössische Kunst insgesamt, weil das am Stammtisch leicht ausgeweitet wird, und man meint, alle würden so agieren und gehen mit 250.000 Euro im Sackerl raus, ohne sich dafür verantworten zu müssen. Die Gefahr ist groß, dass es auf die gesamte Theaterszene zurückfällt, auch auf uns, die wir korrekt und mit einem Bruchteil des Geldes arbeiten – und noch dazu wesentlich innovativer als die meisten der restaurativen Tanker.

2011 hat sich Sonja Ablinger angesehen, wie viele Frauen als Leiterinnen, Autorinnen oder Regisseurinnen an deutschsprachigen Theatern tätig sind und festgestellt, dass sie fest in Männerhand sind. Sollte es an den Staatstheatern verpflichtende Quoten geben?

Unbedingt. Das lässt sich ja auch ganz leicht umsetzen. Es ist eine klare Sache, dass Frauen als Kunstkonsumentinnen deutlich überrepräsentiert sind, also nicht nur im KosmosTheater, jedes Publikum besteht mehr oder weniger zu sechzig Prozent aus Frauen und zu vierzig Prozent aus Männern. Und diese Frauen bekommen eine Welt vorgesetzt, die mit ihrer relativ wenig zu tun hat. Diese konservative Theaterwelt ist einfach eine urpatriarchale, um nicht zu sagen phallokratische Welt, die nicht einmal im Ansatz kritisiert wird. Und dann wundert man sich, dass junge Leute keinen Zugang finden zur Sprechkunst. Natürlich muss eine Quote her, es gibt an den großen Bühnen im deutschsprachigen Raum nach wie vor nur fünf bis zehn Prozent Autorinnen. An den kleineren Häusern ist es leider auch nicht viel besser, der Großteil der Kulturinstitutionen ist in männlicher Hand. Natürlich heißt das nicht, dass sich alles ändert, wenn einmal eine Frau die Leitung übernimmt. Es ist ein strukturelles Problem, es braucht sehr viel mehr Frauen in leitenden Positionen, nicht nur Einzelkämpferinnen. Und dann immer diese Ausrede, dass es in den Klassikern eben mehr Männerrollen gäbe und man deshalb nichts tun könne. Natürlich kann man etwas tun, nämlichvermehrt zeitgenössische Kunst spielen – so wie wir das tun.

Die IG Freie Theaterarbeit hat jüngst kritisiert, dass es am sozialdemokratischen Gespür für Verteilungsgerechtigkeit mangle. In Wien ist im letzten Jahrzehnt das Budget für darstellende Kunst signifikant gestiegen, von 73 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 101 Mio. Euro im Jahr 2010, der Großteil des Zuwachses ging allerdings an Großbühnen – allein die Renovierung des Musical-Theaters Ronacher kostete einen zweistelligen Millionenbetrag.

Ja, ausreichend gefördert werden fast ausschließlich die großen Häuser. Es wird insgesamt immer weniger die Kunst selbst gefördert, auch in der bildenden Kunst gibt es kaum mehr Ankäufe zeitgenössischer Werke durch den Staat. Nur in die eh schon Bekannten und sozusagen in die Wertsteigerung zu investieren, das bringt die Kunst nicht weiter. Wo soll der Nachwuchs herkommen, woher die neuen Ideen, die politische Kunst? Es geht ja fast nur noch um den Marktwert, um Marketing, das ist tödlich für die Kunst, für den Nachwuchs und für die Lebendigkeit. Und wenn man meint, Kunst auf den Tourismus ausrichten zu müssen, dann sollte auch das Geld dafür aus dem Tourismus kommen und nicht aus dem Kulturbudget. Außerdem ist es eine furchtbar kurzsichtige Haltung, wenn das Neue und Innovative nicht gehegt und gepflegt wird. Aber es deckt sich mit der Gesamtpolitik, wo auch nur noch in Legislaturperioden gedacht wird.

Seit 1. März 2014 fungiert Josef Ostermayer als Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und öffentlichen Dienst, zuvor waren Kunst und Kultur im Unterrichtsministerium angesiedelt. Siehst du darin eine Aufwertung der Kulturpolitik?

Nein, also das kann keine Aufwertung sein. Ähnlich wie bei der Frauenpolitik braucht es ein eigenes Ministerium mit ausreichendem Budget und nicht nur eine Hülle. darüber, was von Ostermayer zu erwarten ist, kann ich noch nicht viel sagen. Hartmann hat er ja bereits fallen gelassen, aber ob strukturell etwas geändert wird und die Rolle der Holding hinterfragt wird, das kann man noch nicht erkennen. Sagenhaft ist, dass mittlerweile alle großen Häuser in dieselbe Kerbe schlagen: Wir brauchen mehr Geld – das ja nicht vorhanden ist, nachdem es die Hypo fressen wird. Und wir haben keine Chance, darzulegen, was für ein großes Potenzial in der Szene vorhanden ist und wie wichtig es wäre, Theater abseits der großen Häuser zu fördern. Auch arbeiten KünstlerInnen viel zu oft prekär oder geringfügig, hier muss einmal für Gleichstellung gesorgt werden. Wie kann es sein, dass Leute an großen Häusern sozialrechtlich abgesichert sind und KünstlerInnen, die die gleiche Arbeit unter wesentlich schwierigeren Bedingungen machen, letztendlich mit leeren Händen dastehen?

Matthias Hartmann hat bei der Feier zum 125-Jahr-Jubiläum des Burgtheaters die Theater als Rückgrat für das kulturelle Selbstbewusstsein Österreichs bezeichnet. Profitieren kleinere Theater denn von Häusern wie der Burg?

Nein, da besteht eine große Kluft, es gibt überhaupt keine Wechselwirkung – mit wenigen Ausnahmen. Wir haben zum Beispiel die Schauspielerin und Regisseurin Elisabeth Augustin sehr stark ins KosmosTheater eingebunden, weil sie sich sehr für Frauen engagiert und eine großartige Künstlerin ist. Auch unseren aktuellen Autorinnen-Wettbewerb haben wir aufgrund ihrer Initiative gestartet. Aber das hat etwas mit persönlichem Kontakt und gegenseitiger Wertschätzung zu tun. Insgesamt gibt es ganz wenig Kommunikation, keinen wirklichen Austausch. Es ist offensichtlich ein No-Go für Burgdirektoren, KünstlerInnen aus der Szene auch nur gastweise zu beschäftigen oder zu testen, und umgekehrt werden die SchauspielerInnen nicht freigestellt. Also wenn wir jemanden für ein Stück anfragen, dann geht das allenfalls, wenn die Person bereits pensioniert ist. Auch inhaltlich gibt es kaum Anbindung, wenig Austausch beim Publikum. Das sieht man immer daran, welche Begeisterung es in der Burg gibt, wenn einmal statt teuren Bühnenbildern nur einfache Mittel eingesetzt werden – das gibt es bei uns seit eh und je, schon aus Not.

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Foto: Bettina Frenzel

Barbara Klein ist Gründerin und Intendantin des KosmosTheaters Wien, dem „Theater mit dem Gender“, dessen Spielplan überwiegend aus Stücken von Dramatikerinnen besteht, die zumeist von Regisseurinnen inszeniert werden.

FrauenSommerUni: Jetzt anmelden!

Im September erwartet euch ein verlängertes queer-feministisches Wochenende in Wien: von 19. bis 23. September gehen die FrauenSommerUni, das rampenfiber-Festival und die fußBALLade über die Bühne.

Das Programm der FrauenSommerUni ist mittlerweile online, für Workshops müsst ihr euch bis 14. September anmelden. Auch für die (kostenlose) Kinderbetreuung durch die Kinderfreunde solltet ihr euch bitte über ein Online-Formular anmelden. Starten wird die FSU mit einer Willkommensveranstaltung am Mittwoch (19.09.) um 17 Uhr. Ort: Alte Kapelle, Campus, Altes AKH, Spitalgasse 2-4, Hof 2.8. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr uns kennenlernen, die Workshops und Vorträge werden vorgestellt und Rosemarie Ertl (Netzwerk Frauen- und Mädchenberatungsstellen) wird zum Thema „Feminismen leben – (auch) eine Frage der Ressourcen?“ sprechen. Bei Wein und Snacks könnt ihr anschließend plaudern und/oder am 2. Netzfeministischen Bier teilnehmen (ab 19.30 Uhr im Weltcafé).

                

Am Donnerstag, Freitag und Samstag finden dann jeweils vormittags und nachmittags Workshops, Vorträge, Lesungen und Diskussionsrunden parallel statt. Die Wahl wird euch bei diesem Angebot vermutlich schwer fallen – hier einige Highlights für euch (subjektive Auswahl!).  Allen künstlerisch-politisch Interessierten kann ich den Stencil-Workshop am Donnerstag und den Radical-Handcrafting-Workshop am Samstag (Achtung, findet in der Frauenhetz statt!) empfehlen. Außerdem wird es zwei Schreibworkshops geben: „Schreiben wirkt“ am Donnerstag und Freitag und „Kreativ schreiben und sich aufführen„, ebenfalls am Donnerstag und Freitag.

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unHEIMelig

„Unheimlich sei alles, was ein Geheimnis, im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist.“ (Freud, Das Unheimliche, 2008,143)

Den öffentlichen und privaten Bereich betreffend, schreibt Hannah Arendt, dass der Unterschied letztlich auf einen Unterschied zwischen Dingen, die für die Öffentlichkeit, und denen, die für die Verborgenheit bestimmt sind, hinauslaufe. (Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Sein, 1994, 69) Das, was im Verborgenen ist, was vor dem Blick verborgen bleiben soll, sind Tätigkeiten, die beinahe ausschließlich Frauen ausführen. Das Heim betreffend, sind es solche, die landläufig ein Heim erst zu einem Heim machen – das Versorgen und Verschönern. Zumeist Liebesdienste. Immer unbezahlt. Kaum der Rede wert.

Ebenso das Textile. Wolle ist ein Material, das in der Öffentlichkeit nur dann zu sehen ist, wenn es zu Kleidung verarbeitet, am Körper getragen wird. Frauen, die handarbeiten, und es sind fast nur Frauen, die es tun, tun dies für sich, meistens aber für die Familie, die Kinder. Wo wir wieder bei den Liebesdiensten sind. Bei der Nichtentlohnung.

Der Rede wert. Der Klorollenhut ist ein Symbol für das Private, das in die Öffentlichkeit drängt. Gehäkelt, Handarbeit, dazu dienend zu schmücken, das Heim erst heimelig zu machen. Als vergessenes Artefakt, als Abjekt rückt er überdimensional und damit entfremdet und entfremdend in den öffentlichen Raum und transportiert die Funktion, die er im Privaten besitzt, schmückend zu verbergen, Dekoration zu sein mit der primären Aufgabe zu verstecken und dadurch Wohnungen zu zurechtgeschmückten Gespenstern werden zu lassen, zu Idyllen, Bühnen idealisierter Bilder des Selbst und der Familie. Die Maskerade, deren Symbol er ist, wird durch die überdimensionale Zurschaustellung im öffentlichen Raum entblößt. Die vertraute Heimeligkeit wird zur Unheimlichkeit.

Diesen Samstag (18.08.2012, 16 Uhr, Wallensteinplatz, 1200 Wien) stellen Antonia Wenzl und Betina Aumair von den Strickistinnen die Installation unHEIMelig vor.

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Die Sommerpause ist hiermit beendet! Wie ihr vielleicht bemerkt habt, hat es in den vergangenen Wochen hier hauptsächlich Gastbeiträge gegeben. Nachdem Frühsommer-Stress und Urlaub jetzt aber vorbei sind, hoffe ich auf Motivation und Inspiration und werde versuchen, euch regelmäßig mit Beiträgen zu versorgen.

Das Urteil im Prozess gegen die drei Pussy-Riot-Aktivistinnen, die sich seit März in Untersuchungshaft befinden, wird voraussichtlich am 17. August verkündet werden – ihnen drohen drei Jahre Haft. Infos zum Prozess findet ihr unter anderem hier und hier. In Berlin hat Peaches einen Dreh für ein Soli-Video organisiert (siehe auch Online-Petition), einen Blogbeitrag zum Thema „Westliche Empörung und Soli-Support“ könnt ihr hier nachlesen.

„The battle against whitewashing and race bending“ – Denise Oliver Velez hat auf Dailykos einen sehr guten Beitrag über diese Praktiken in der Filmindustrie bzw. in den Medien allgemein geschrieben.

Wie sieht es mit den Chancen einer Frauenpartei bzw. einer feministischen Partei in Österreich aus? Sandra Ernst Kaiser (diestandard.at) hat unter anderem bei Sophie Karmasin und Peter Filzmaier nachgefragt.

Olympia: „Vorschnelle Rassismen“ – Olja Alvir schreibt auf dastandard.at über die Obsession für biologische Voraussetzungen für den Spitzensport. Auf Jezebel.com wird über ein sexistisches Video berichtet, das Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen präsentiert.

Der bekannte amerikanische Männlichkeitsforscher Michael S. Kimmel und sein Kollege haben „The Guy’s Guide to Feminism“ veröffentlicht. Männer, die Männern Feminismus einfach erklären, braucht es das? Diese und andere Fragen hat sich khaos.kind gestellt.

Die Strickistinnen Antonia Wenzl und Betina Aumair stellen ihr neues Projekt vor: „UnHEIMelig„. Die Eröffnung findet am 18. August um 16 Uhr am Wiener Wallensteinplatz statt (mehr dazu in Kürze auf der Denkwerkstatt).

Eine Liste mit den besten Fahrrad-Blogs gibt es bei den An.schlägen.

Erinnerung: Am 20. August findet das erste „Netzfeministische Bier“ in Wien statt.

Frauenspaziergänge durch Wien

Erwachsenenbildnerin und Kulturvermittlerin Petra Unger führt  schon viele Jahre durch Wien und macht die oft ausgeblendete und „vergessene“ Geschichte von Frauen sichtbar. Ihre Frauenspaziergänge durch verschiedene Wiener Gemeindebezirke und Grätzel sind nun auch als Buch im Metroverlag erschienen. Dabei handelt es sich um keinen klassischen Stadtführer, sondern ein „Lesebuch“ entlang der beschriebenen Routen. Und auf diese Wege sollte mensch sich begeben: „Es ist wichtig, ‚vor Ort‘ zu gehen, die Stadt mit einem anderen Blick zu sehen und mit anderen Bildern, anderen Geschichten, anderen Werten zu verbinden. Es verändert den eigenen Bezug zur Stadt, auch den Bezug zu sich selbst und zur eigenen Geschichte“, schreibt Petra Unger.

So erfährt mensch, warum die Geschichte der Wiener Oper eine Geschichte des Ausschlusses ist, was der „Wiener Frauenklub“ gemacht hat, welchen Raum Sexarbeiterinnen in der Stadt einnehmen und wofür Marianne Hainisch gekämpft hat. Am Ende eines Spaziergangs werden außerdem Lokale und Restaurants empfohlen, „die gute Qualität bieten, von Frauen geführt oder von Frauen sehr gerne frequentiert werden.“

 

Wer sich nicht alleine auf den Weg machen möchte, kann auch an einem Stadtspaziergang mit Petra Unger teilnehmen. Im Frühling/Sommer bietet sie Spaziergänge zum Buch an („Vielfalt der Frauenleben“, „Frauen werden sichtbar“, „Schauspielerinnen und Frauenräume“, „Von der Josefstadt nach Ottakring“ und „Frauen und Soho in Ottakring“), alle Termine findet ihr auf der Website (12 Euro pro Teilnehmer_in).