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In eigener Sache

I

Gleich zu Beginn: Wie ihr vielleicht bemerkt habt, war die Kommentar-Funktion bei den letzten paar Blogeinträgen deaktiviert. Unabsichtlich. Problem bereits behoben!

Und: Die Denkwerkstatt gibt es nun seit mittlerweile acht Monaten, wir steuern langsam, aber sicher auf den 100. Eintrag zu und ein Relaunch ist mehr als überfällig! Das Ziel: Das Ganze soll noch im Sommer passieren. Mit neuem Look und neuer Adresse.

Zu guter letzt: Was mich immer wieder amüsiert, sind Suchanfragen, die User_innen auf die Denkwerkstatt führen. Leider muss ich zugleich aber schon viele Menschen enttäuscht haben, da sie auf meinem Blog wohl nicht die passenden Antworten auf ihre brennenden Fragen gefunden haben.

Klaus Rieser hat etwa im Denkwerkstatt-Interview spannende Sachen zu Filmwissenschaft und Männlichkeit erzählt, ob Johnny Depp zugenommen hat und ob er Schildkröten mag – dazu liefert der Beitrag leider keine Einsichten. Natürlich wird auch nach der sexuellen Orientierung des Schauspielers gesucht, überhaupt interessieren sich sehr viele Menschen dafür, ob Fußballer, Moderatoren, Schauspieler und Politiker homosexuell sind. Am häufigsten wurde hier nach Karl-Heinz Grassers sexueller Orientierung gesucht, dessen Männlichkeit und die Angriffe darauf ich in „Der schöne Karl-Heinz“ zu analysieren versucht habe.

Ganz und gar nicht jugendfreie Suchanfragen bescherte mir der Artikel über Bushido und Co. Da werden Dinge in Suchmaschinen getippt, die ich nicht einmal aussprechen könnte. Zitierte Passagen im Text haben auch dafür gesorgt, dass einige Angestellte in Unternehmen meinen Blog nicht mehr lesen können. Porno-Filter. Dennoch wird der Kommentar vorerst nicht gelöscht. Ob Frauen die besseren Menschen sind, das wollten schon viele User_innen wissen. Ich selbst habe diese (nicht ganz ernst gemeinte) Frage angsichts der Debatte um die österreichische Bundeshymne gestellt.

Der Winzer Leo Hillinger hat in der ORF-Doku-Soap „Das Match“ quasi seine Männlichkeit eingebüßt und bekam von Herbert Prohaska den Spitznamen „Leonie“ verpasst. Diesen Namen wird er wohl nicht mehr so schnell loswerden, allein über 200 Mal führte „Leonie Hillinger“ auf meine Analyse der TV-Sendung.

„Was bedeutet es, wenn mich mein Freund Prinzessin nennt?“ hat auch jemand in eine Suchmaschine getippt. Ebenso: „Was unterscheidet Männer vom Tier?“. Nun gut, auf eine Frage hätte ich wirklich gerne eine Antwort gegeben: „Welcher Glaube ist wahr?“ Ich werde das demnächst mit Religionswissenschafter_innen diskutieren. Bis dahin: Bitte um Geduld!

Willkommen oder: Ein schwieriges Projekt…

W

Es gibt Themen, die sind nicht einfach zu bearbeiten. Dazu gehören Feminismus, Gleichstellungspolitik, geschlechtergerechte Sprache, Sexismus – kurz gesagt: alles, was im weitesten Sinne mit „Geschlecht“ zu tun hat. Wer wie ich „Gender Studies“ studiert, ist es gewohnt, angefeindet oder belächelt zu werden. Da gibt es häufig vorgefasste und festgefahrene Ansichten und das Wissen tausender Expert_innen. Schließlich „hat“ jede_r ein Geschlecht und fühlt sich dementsprechend (teils zu Recht) als Experte und Expertin. Damit geht jedoch auch folgendes einher: Die meisten Menschen haben einen sehr emotionalen Zugang zu den angesprochenen Themen und bringen diesen auch in Diskussionen ein, die eigentlich über den persönlichen Erfahrungshorizont hinausgehen. Wer schon einmal „diestandard.at“ besucht hat, dem/der wird vermutlich aufgefallen sein, dass dort kaum sachlich diskutiert wird. Eher hat sich die Website zum Anziehungspunkt für anonyme User_innen entwickelt, die unabhängig vom Thema immer wieder die selben diffamierende Parolen posten. Als Reaktion darauf hat „diestandard.at“ den „forumfreien Dienstag“ ausgerufen – der Wochentag, an dem keine Kommentare der Leser_innen veröffentlicht werden.

Noch schwieriger wird es, wenn es um Wissenschaft geht. Gender Studies. Geschlecht als Wissenskategorie, feministische Theorie, Masculinity Studies, Queer Studies sind nur Wenigen ( – einem eingeweihten Zirkel – ) ein Begriff. Obwohl die Wissenschaft von den Geschlechtern schon viele Jahre auf dem Buckel hat, ist sie (vor allem in Österreich) akademisch kaum etabliert. Viele Menschen verbinden mit Feminismus oder Gleichstellung ausschließlich ein politisches, kein wissenschaftliches Programm. Auch wenn feministische Wissenschaft und/oder Gender Studies schon immer von politischen Anliegen geprägt waren, unterscheiden sie sich von einer Frauen- oder Männerbewegung. Gender-Wissenschafter_innen interessiert, wie Geschlecht in wissenschaftlichen Diskursen und im Alltagshandeln konstruiert und produziert wird. Sie untersuchen sexuelle Identitäten, analysieren, ob Heterosexualität tatsächlich „natürlich“ ist, fragen nach den Effekten von Geschlecht – und noch vieles, vieles mehr.

In der Denkwerkstatt werde ich versuchen, geschlechtsspezifische Themen, die unter anderem auch mit meiner Dissertation und mit meiner Masterarbeit in Verbindung stehen, aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen. Auf möglichst sachlicher Ebene (und trotzdem bleibt viel Raum für Emotionen!) Nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen, einen kleinen Beitrag zur Wissenschaftskommunikation zu leisten – denn Gender Studies sollten ihren Platz in der Öffentlichkeit haben. Ich freue mich auf anregende Diskussionen!

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