TagInternationaler Frauentag

20000frauen: Aktionismus vor dem Parlament

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Die Plattform 20000frauen probte heute vor dem Parlament den Aufstand: Rund 30 Frauen entrollten  ein 50 Meter langes Banner, auf dem ein Auruf zur großen Demonstration am 19. März zu lesen war:


Sprecherin Petra Unger im historischen Kostüm: Die selben Forderungen wie vor 100 Jahren


19. März: Treffpunkt 14 Uhr, Schwarzenbergplatz


Johanna-Dohnal- statt Dr.-Karl-Lueger-Ring!

Alle Fotos: (c) Bettina Frenzel

Interview: Frauenbewegung in Österreich – Teil 1

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In Wien demonstrierten 1911 erstmals rund 20.000 Menschen für Frauenrechte, 2011 „feiern“ wir das Jubliäum 100 Jahre Internationaler Frauentag. Aber wo liegen eigentlich die Wurzeln der österreichischen Frauenbewegung? Ein Gespräch mit Maria Mesner, Historikerin und wissenschaftliche Leiterin des Bruno-Kreisky-Archivs:

Maria Mesner

In Deutschland wird derzeit heftig über Frauenquoten debattiert, in Österreich wird das Thema noch weitaus zurückhaltender verhandelt. Welche Geschichte hat die Diskussion um Quoten in Österreich? Handelt es sich dabei um ein neues Thema auf der politischen Agenda?

Die Debatte begleitet uns zumindest seit den 80er Jahren, würde ich meinen. Die Grünen haben bereits bei ihrem ersten Antreten 1986 ein Reißverschlusssystem für die Aufteilung von Mandaten umgesetzt, was in Wirklichkeit eine 50-Prozent-Quote bedeutet. Die SPÖ hat dann ungefähr zur selben Zeit eine 30-Prozent-Quote eingeführt, die sie später auf eine 40-Prozent-Quote erhöht hat. Anlässlich dieser Einführung von Quoten in politischen Parteien wurde das Thema bereits heftig diskutiert. Es hat sich auf alle Fälle herausgestellt, dass die Einführung von Quoten zu einer Erhöhung des Anteils von Frauen führte. Vielleicht nicht im geplanten Ausmaß, aber es gab eine deutliche Bewegung nach oben. Erst später hat die Diskussion über die Quote auch andere Bereiche wie Aufsichtsräte erfasst.

Aber die Quote ist eine begleitende Diskussion seit den späten 70er Jahren. Dazwischen gab es verschiedene Ansätze, Forderungen wie zum Beispiel die Vergabe von öffentlichen Mitteln an bestimmte Frauenquoten zu koppeln, wie das ja zum Teil in den skandinavischen Ländern der Fall ist. Der langen Rede kurzer Sinn: Es ist keine neue Debatte.

Warum birgt die Debatte dennoch nach wie vor solchen Zündstoff?

Wenn eine Hälfte der Bevölkerung mehr Macht anstrebt, muss die andere Hälfte der Bevölkerung diese abgeben. Das trifft auf Widerstand. Und daher ist das unbeliebt. Also es geht da schlicht um Macht, es geht um Repräsentation, es geht um Einfluss. Und wenn eine neue Gruppe stärker repräsentiert wird, muss die bislang unverhältnismäßig stark repräsentierte Gruppe einen Teil ihrer Positionen, ihres Einflusses abgeben.

2011 begehen wir den 100. Internationalen Frauentag, in Wien sind 1911 erstmals 20.000 Menschen für Frauenrechte auf die Straße gegangen. Wann ist in Österreich eigentlich eine politische Frauenbewegung entstanden? Lässt sich das an einem konkreten Ereignis festmachen?

Der erste politische Frauenverein ist eigentlich schon 1848 entstanden, aus den revolutionären Ereignissen von 1848 heraus, allerdings war er wie alle Vereine des Jahres 1848 von kurzlebiger Dauer. Eine zweite Welle von Frauenbewegungen entstand dann im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als das bürgerliche Ideal brüchig wurde. Jenes der Ehefrauen und der Männer, die für die Erwerbsarbeit und damit die Sicherung der ökonomischen Existenz zuständig waren. Die Frauen haben festgestellt, dass sie keine Voraussetzungen im Sinne einer Ausbildung hatten, die sie dazu befähigte, ihre eigene Existenz zu sichern. Daraus folgte auch die Forderung nach Bildung, nach dem Zugang zu Bildungsinstitutionen.

Außerdem entstand zu dieser Zeit die Forderung nach einer Ausweitung des Wahlrechts, also nach einem allgemeinen gleichen Wahlrecht statt des geltenden Kurienwahlrechts. 1906 wurde das allgemeine Wahlrecht eingeführt, das aber nur ein Männerwahlrecht war. Somit haben auch die Frauen, die bis dahin aufgrund ihres Vermögens Wahlrechte hatten – wenn auch nur vermittelte – ihre Wahlrechte verloren. Damit war ein wesentlicher Fokus der Mobilisierung von Frauen Ende des 19. Jahrhunderts gegeben. Frauen waren generell von der Mitgliedschaft in politischen Vereinen ausgeschlossen, das wurde zu einem dritten Schwerpunkt für die Organisierung von Frauen.

Ein vierter Schwerpunkt stellte das patriarchale Eherecht dar, das eine klare Hierarchie innerhalb der Ehe vorschrieb und den Mann zum Oberhaupt der Familie machte. Daraus entstand dann zum einen eine bürgerliche Frauenbewegung und andererseits eine sozialdemokratische, also eine Arbeiterinnenbewegung, die zum Teil die selben oder ähnliche Forderungen hatte, zum Teil aber einen anderen Schwerpunkt setzte. Es ging um Fragen der sozialen Zugehörigkeit und der Diskriminierung, die daraus folgte. Das war für die Arbeiterinnenbewegung natürlich eine wesentlich relevantere Frage als für die bürgerlichen Frauen.

Hat die Demonstration im Jahr 1911 Wellen geschlagen?

Nun ja, was auch immer Wellen sind – die Zeitungen berichteten über das Ereignis, es gab erhebliche Resonanz. Außerdem gibt es Bilder von der Demonstration. In einer Zeit, die an Bildern noch arm ist, ist allein die Tatsache, dass es von einem Ereignis viele Bilder gibt, schon ein Hinweis darauf, dass es Resonanz gefunden hat. Die zentrale Forderung der ersten Frauentagsdemonstration 1911, die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen, wurde allerdings erst 1918 realisiert.

Machen wir einen großen Sprung in die 70er Jahre. Ich habe in Ihrem Buch „Land der Söhne“ von einer Protestaktion gelesen, bei der ein Chefredakteur aufgrund eines sexistischen Titelblatts gewaltsam entkleidet wurde – inwiefern kann man die Frauenbewegung der 70er Jahre im Vergleich mit einer heutigen Frauenbewegung charakterisieren?

Die autonome Frauenbewegung der 70er Jahre hat noch aus der Studentenbewegung heraus das Mittel der Provokation mitgenommen. Provokation war ein wichtiges Werkzeug, um öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Das trifft natürlich nicht nur auf die 70er Jahre, sondern auch noch viel später auf die autonome Frauenbewegung zu. Es ist eine Form, Aufmerksamkeit für politische Anliegen zu generieren, während dann die frauenbewegten Aktivitäten der Nullerjahre oder Ende der 90er Jahre mehr auf mediale Präsenz im Sinne von breiter Berichterstattung gesetzt haben. Also weniger die Provokation von einem wie auch immer gedachten Außen, sondern die Nutzung der Massenmedien, um Forderungen zu stellen, Aufmerksamkeit zu gewinnen und auch Verständnis für die Forderungen herzustellen. Das war bei den provokativen Aktionen der frühen autonomen Frauenbewegung wohl nicht erste Priorität – da ging es vorrangig darum, Aufmerksamkeit zu erregen.

Schließlich kam das Thema vom Rand der Gesellschaft – insofern ist das auch ein notwendiger Schritt gewesen. Mittlerweile haben diese Themen ihren Weg in den Mainstream gefunden. Gender Mainstreaming ist heute ein Ziel der Europäischen Kommission, dabei handelt es sich nicht um eine marginalisierte Gruppe, sondern eine zentrale Körperschaft in Europa. Dementsprechend haben sich auch die Aktionsformen verändert, die handelnden Personen und auch die Haltungen haben sich verändert.

Würden Sie sagen, dass mit dieser Institutionalisierung von Frauenpolitik eine Frauenprotestkultur mehr und mehr in den Hintergrund tritt?

Nein, ich denke, es gibt immer noch Protestkulturen, nur hat sich das Ganze verschoben. Wenn es eine Bundesministerin für Frauenangelegenheiten gibt, wenn es eine Stadträtin gibt, also institutionalisierte Frauen und Politiken, dann verschiebt sich der Protest. Ich denke, das ist weder gut, noch schlecht, sondern notwendig. Wenn eine politische Forderung immer nur an den Rändern der Gesellschaft ausgehandelt wird, dann ist das eine sehr mühsame Sache, die mit wenig Erfolgschancen ausgestattet ist. Die Institutionalisierung und das Rücken der Themen in die Mitte der Gesellschaft ist also durchaus ein Erfolg der Frauenbewegung.

Dass sie dabei weniger radikal wird, liegt zwar nicht in der Natur der Sache, wohl aber in der Natur der österreichischen politischen Kultur, wo Massenbewegungen – sieht man einmal vom Nationalsozialismus ab – ja nie radikale gewesen sind. Es gab und gibt in Österreich keine radikale emanzipatorische Massenbewegung. Zumindest nicht im 20. Jahrhundert.

Trotz der von Ihnen geschilderten Erfolge ist Frauenpolitik nur bedingt ein Erfolgsprojekt – seit vielen Jahrzehnten werden die selben Forderungen wie „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ formuliert. Woran liegt das?

Nun ja, ich denke, diese Fragen sind Machtfragen, sind Verteilungsfragen – und da gibt es Widerstand. Deshalb ist das eine langwierige Angelegenheit. Die Dinge haben sich zugleich langsam und schnell bewegt, das hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Ich bin Historikerin, deshalb bin ich der Meinung, dass sich einiges bewegt hat. Es ist viel passiert seit 1945. Es haben sich die Bilder völlig verschoben, es haben sich die Werte völlig verschoben und es haben sich auch die Handlungsspielräume der Frauen verändert.

Aber um auf die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit zurückzukommen – da ist in Österreich die Schere ja besonders groß. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Österreich in den Geschlechterbildern wegen des starken katholischen Einflusses sehr konservativ ist. Und es geht wiederum um Macht und es geht um die Verteilung von Ressourcen. Da wäre es seltsam, wenn es hier keinen Widerspruch gäbe. Bei allen entscheidenden Machtfragen ist mit Widerstand zu rechnen. Das ist ja auch Teil des demokratischen Prozedere, dass eine bestimmte Form von Mehrheit gefunden werden muss. Daher müssen eben die dicken Bretter langsam gebohrt werden, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht gebohrt werden.

Demnächst in Teil 2: Über das ewige Vorbild Skandinavien, die Ikone Johanna Dohnal und Kreiskys Frauenpolitik…

Links:
Stiftung Bruno Kreisky Archiv

Maria Mesner auf Wikipedia

Webschau

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Am Sonntag vor einem Jahr verstarb Johanna Dohnal. Susanne Feigl, ihre Biografin, hat im Standard die letzten O-Töne der großen Politikerin unter dem Titel „Was sie empörte – bis zuletzt“ veröffentlicht.

Auch in Österreich tut sich endlich etwas in Sachen Quote: Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner diskutierte am Montag mit Frauenministerin Heinisch-Hosek über eine mögliche Quote für Aufsichtsrät_innen in staatsnahen Betrieben, berichtete diestandard.at. Laut einer Umfrage des Sora-Instituts ist die Zustimmung zur Frauenquote übrigens unter jungen Frauen am höchsten – 70 Prozent der Männer lehnen sie ab.

Auch Trendforscher Matthias Horx meldet sich im Standard zur Quotendebatte zu Wort und kritisiert die hierzulande weit verbreitete „männerbasierte Präsenzkultur“ im Arbeitsleben. Die Karrierewelt kann sich nur ändern, wenn eine kritische Masse von Frauen in den Chefetagen eine generell andere Zeitkultur durchsetzt – in Kooperation mit starken Männern, die auch kein Interesse mehr daran haben, mit ihrer Familie nur noch auf diplomatischem Wege zu verkehren, so Horx.

Zum 100. Jubliäum des Internationalen Frauentag hat die Mädchenmannschaft bereits allerlei Veranstaltungstermine gesammelt. Weitere Hinweise sind erwünscht.

Für alle Leute, die aus den österreichischen Bundesländern zur 20000frauen Demo am 19. März anreisen möchten, gibt es gute Nachrichten: Mit einer Vorteilscard der ÖBB gibt es ein Zugticket nach Wien und retour um 60 Prozent billiger, ohne Vorteilscard erhält frau 25 Prozent Rabatt.

Ab heute Montag am Kiosk: Die neue Ausgabe der Missy! Zur Feier der zehnten Ausgabe gibt es eine CD mit 11 brandneuen Tracks aus dem „queer-pop-feministischen Umfeld“ mit dazu.

Neues aus der Blogosphäre: „Die chaotische Welt der Geschlechter“ – unter diesem Titel bloggt Khaos.Kind seit wenigen Monaten „aus dem Alltag einer angehenden Berufsfeministin“.

20000frauen

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Am Dienstag hat sich die Plattform 20000frauen (die Denkwerkstatt berichtete) bei einer Pressekonferenz im Wiener KosmosTheater erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Rund hundert Organisationen und feministische Initiativen haben sich bereits der Aktion angeschlossen – die Liste der frauenpolitischen Forderungen wird immer länger. Um am 19. März wie einst 1911 wieder 20.0000 Frauen auf die Straße zu bringen, wird derzeit in allen Bundesländern Österreichs mobilisiert. Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat bereits ihre Unterstützung angekündigt, sie wird am 19. März bei der Abschlusskundgebung vor dem Parlament sprechen.

Bei der Pressekonferenz stellten sich sieben Vertreterinnen unterschiedlicher Organisationen den Fragen der Journalist_innen, Petra Unger, Sprecherin der Plattform brachte die zentrale Motivation der Aktivist_innen auf den Punkt: „Jede verfügbare Statistik beweist das Gegenteil der vielzitierten, angeblich schon erreichten Emanzipation. Frau-Sein bedeutet nach wie vor Benachteiligung, Diskriminierung, Sexismus und Gewalt ausgesetzt zu sein.“

Auf der Website der Initiative findet sich kein eigener Forderungskatalog, denn: „Unzählige Forderungen liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, es ist gar nicht notwendig, einen neuen Forderungskatalog zu erstellen.“ So ist die Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ etwa schon gute hundert Jahre alt und klingt so abgedroschen, dass manche Aktivistinnen ihr bereits mit (Galgen)humor begegnen. „Frauen verdienen mehr als ein Drittel weniger, seit es Statistiken gibt. Bist du deppert!“, war da auf einem Plakat zu lesen.


Empfangskomitee für die Presse


v.l.n.r.: Brigitte Ruprecht, Christa Pölzlbauer, Barbara Klein, Petra Unger,
Joana Adesuwa Reiterer, Melitta Toth, Birge Krondorfer


Sprecherin Petra Unger


Bist du deppert!

Alle, die sich noch aktiv an der Organisation der Demonstration beteiligen wollen, können dies in den öffentlichen Plena tun. Die entsprechenden Termine finden sich auf der Website. Auch eure wichtigsten Forderungen sind nach wie vor gefragt. Weitere Infos dazu gibt es hier.

20000frauen auf Facebook
20000frauen auf Twitter
Bericht in Wien Heute
Artikel auf diestandard.at
Artikel in der Presse
Beitrag auf Radio ö1 / Radio FM4

Fotos: Bettina Frenzel

2011: Jahr der Frauen

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Das Jahr 2011 bringt ein geschichtsträchtiges Jubiläum mit sich: 100 Jahre Internationaler Frauentag. Am 8. März wird er in diesem Jahr bereits zum 100. Mal begangen. In Wien wird allerdings am 19. März gefeiert, die erste Frauendemonstration fand hierzulande nämlich am 19. März 1911 auf der Ringstraße statt. (Mehr zur Geschichte des Internationalen Frauentags könnt ihr hier nachlesen)

Zu diesem Anlass haben sich in Österreich engagierte Frauen formiert und großartige Initiativen ins Leben gerufen. Die Plattform „AUS! 20.000 Frauen“ ruft etwa zu einer großen Frauenrechts-Demo am 19. März in Wien auf. Auf der Website werden außerdem Forderungen von Organisationen und auch Einzelpersonen gesammelt, jede_r ist eingeladen, die drei wichtigsten frauenpolitischen Forderungen an die Redaktion zu schicken. „Durch die Demonstration soll der Vielfalt und der Wichtigkeit feministischer Zugänge und Forderungen, die immer noch nicht umgesetzt sind, eine Stimme gegeben werden. Ziel ist es, das Trennende hintan zu stellen und möglichst zahlreich sichtbar zu werden, ohne Differenzen und Vielfalt zu leugnen“, ist auf der Website zu lesen. Updates der Initiative gibt es außerdem auf Facebook.

Den Weg der Demonstration am 19. März wollen – wie schon in einem anderen Blogbeitrag erwähnt – die Strickistinnen einstricken. Bis spätestens 15. Februar könnt ihr euch noch bei den Guerilla-Knitting Frauen melden.

Auch kulturell gesehen dürfte 2011 ein äußerst aufregendes Jahr werden – dafür werden die Organisatorinnen von „femous“ (=female+famous) sorgen. Anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums haben sie das femous-Jahr ausgerufen. Von März bis September 2011 wird es in Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen 100 Veranstaltungen mit Künstlerinnen in ganz Österreich geben: „femous zeigt, dass herausragende Frauen längst keine Ausnahme mehr sind. femous steht – als sofort wiedererkennbares Qualitätssiegel – für herausragendes weibliches Schaffen“, ist in der Presseinfo zu lesen. Mehr Infos findet ihr auf dem dazugehörigen Blog und auf Facebook, eine eigene Website wird noch im Jänner entstehen.

Internationaler Frauentag – 8. März

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Bereits zum 99. Mal wird heuer der Internationale Frauentag „gefeiert“. (Wer mehr zur Geschichte des Frauentags erfahren möchte, kann das unter anderem hier nachlesen). Und wohin am Internationalen Frauentag? Die Denkwerkstatt hat einige Termine für euch gesammelt:

Wien

8. März Demo – Internationaler Frauenkampftag
FrauenMädchenLesben Demonstration
TREFFPUNKT: 17:00, Ecke Museumsquartier/ Marcus Omofuma Denkmal
Link

Offenes Rathaus für alle Wienerinnen
Im „Offenen Rathaus für alle Wienerinnen“ sind über 50 Einrichtungen vor Ort, die Informationen für alle Lebenslagen und Beratung anbieten. Die Besucherinnen sind eingeladen, an den Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden zu den Themen „Chancen am Arbeitsmarkt mit 50+“, „Fragen rund um Geld und Einkommen“ und „Ihr Recht bei Unterhalt und Alimenten“ teilzunehmen. 15-20 Uhr.
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Frauenfest
ab 19 Uhr in der FZ-Bar, 1090, Währingerstraße 59, Eingang Prechtlgasse
Ab 22.00: Live-Konzert mit Folie à trois
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Verleihung der „Giftgrünen Brennessel 2010“
 um 10:30 Uhr im Bundesbüro der Grünen, Rooseveltplatz 4-5/Top 5, 1090 Wien
Nach der Preisverleihung durch die Bundessprecherin der Grünen Eva Glawischnig und Frauensprecherin Judith Schwentner, wird der Kabarettist Werner Brix die skurillsten und übelsten Sager verlesen, im Anschluss wird eine giftgrüne „Brennnesselsuppe“ serviert.
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KOSMOS Theater Eröffnung Jubiläumswoche
ab 19 Uhr
Eröffnung: Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Festrede: Frauenstadträtin Sandra Frauenberger
Buchpräsentation: „Das Theater mit dem Gender“, von und mit Susanne Riegler (Text), Bettina Frenzel (Fotos). Herausgeberin des Buches: Johanna Dohnal (†) uvm.
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Salzburg

20. Geburtstag des Troll-Borostyani-Frauenpreises
Verleihung um 18 Uhr in der TriBühne Lehen (Tulpenstr.1, gegenüber der neuen Mitte Lehen). Kabarettprogramm ab 20 Uhr.
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Graz

8. März Komitee am Grazer Hauptplatz
Wie sehe eine Welt aus, in der die frauenpolitischen Forderungen erfüllt sind? Zwei Wesen von Utopia landen am Grazer Hauptplatz und geben die Antworten. Und sie fragen uns worauf wir warten, denn eines ist für sie klar: diese Stadt und dieses Land braucht eine 50% Männerquote.
10 – 12 Uhr
Link

Klagenfurt

Scherben bringen Glück – Podiumsdiskussion
Die Gläserne Decke durchbrechen. Kärntner Landesarchiv, St. Ruprechter Straße 7, Klagenfurt am Wörthersee, 19.00 Uhr. Diskussion mit Dr.in Helga Konrad Frauenministerin a.D. aus dem Kärntner Landtag, Wilma Warmuth, Dr.in Beate Prettner, Annemarie Adlassnig, Dr. in Barbara Lesjak
Link

Linz

talk of fem
ab 18.30 Uhr im Frauenbüro Linz
mit Verleihung des „Silbernen Hexenbesens am Goldenen Band“ (mit Videoportrait der Preisträgerin von Margit Greinöcker). Im Alten Rathaus, Gemeinderatssaal, Hauptplatz
Link

Einen Überblick zu Veranstaltungen in Deutschland bietet die Mädchenmannschaft.

Gabriele Heinisch-Hosek im Interview

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Seit Dezember 2008 ist Gabriele Heinisch-Hosek in Österreich Ministerin für Frauen und öffentlichen Dienst und damit eine der Nachfolgerinnen von Johanna Dohnal. Die Niederösterreicherin startete ihre politische Karriere als Gemeinderätin in Guntramsdorf und war bis 2002 als Lehrerin an einer Schwerhörigenschule in Wien. Wie die „Wiener Zeitung“ schreibt, gilt Heinisch-Hosek in politischen Kreisen als „engagiert und umgänglich“. Die Denkwerkstatt hat die Frauenminsterin (per E-Mail) zum Interview gebeten:

Frauenpolitik scheint in Österreich äußerst unpopulär zu sein – Was unterscheidet uns von anderen europäischen Ländern?

Frauen in ganz Europa kämpfen für Gleichberechtigung. Das ist oft schwierig und stößt auf Widerstände. Mehr Macht für Frauen bedeutet oft eben auch weniger Macht für Männer. Das gilt aber nicht nur für Österreich. Denn auch in den anderen europäischen Ländern ist Frauenpolitik immer noch mit Widerständen behaftet. In manchen – wie Österreich – mehr, in manchen – wie den Skandinavischen Ländern – weniger.

Wer im Netz zu frauenpolitischen / geschlechtsspezifischen Themen publiziert, hat mit vielen verärgerten Kommentaren und Beschimpfungen zu rechnen. Erhält die Frauensektion täglich solche E-Mails?

Natürlich gibt es einige feindliche E-Mails, die bei uns in der Frauensektion und auch in meine Mailbox eingehen. Aber es überwiegen doch die positiven Reaktionen. In der Frauensektion sind die häufigsten E-Mails aber sowieso grundsätzlich Anfragen, bei denen Frauen Informationen zu diversen Problemstellungen erhalten möchten. Darüber hinaus habe ich aber vor allem bei meinen eigenen Internetaktivitäten – Blog und Facebook – die Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Postings sehr positiv oder wenn kritisch, dann fair, ausfallen.

Wie gehen Sie persönlich mit solchen Anfeindungen um?

Wenn es einmal wirklich unfaire bzw. bösartige Anfeindungen gegen meine Person gibt, versuche ich das nicht an mich heran zu lassen. Grundsätzlich empfinde ich aber kritische Anmerkungen zu meiner Arbeit, wenn diese fair formuliert sind, als Bereicherung.

Wie informieren Sie sich über die Neuigkeiten des Tages? Lesen Sie Nachrichten im Internet, oder greifen Sie lieber zur Zeitung?

Ich tue beides. In der Früh lese ich während des Morgenkaffees einmal einige Tageszeitungen. Und untertags informiere ich mich natürlich auch über Onlinemedien. Vor allem www.diestandard.at ist für mich immer eine gute Informationsquelle.

Lesen Sie auch Blogs?

Abonniert habe ich keinen. Aber wenn mich jemand auf einzelne Beiträge aus interessanten Blogs aufmerksam macht, lese ich diese nach und/oder verlinke sie auch mal mit meinem Blog oder Facebookprofil.

Sie haben ein Profil auf Facebook – Wird das von Ihren Mitarbeiter_innen betreut, oder loggen Sie sich auch persönlich ein?

Mein Facebookprofil ist eine Fanpage, diese wird von meinen MitarbeiterInnen betreut. Was aber jedeR meiner Fans dort auch nachlesen kann, sind meine persönlichen Blogbeiträge. Diese liegen originär auf der Onlineplattform Campa und sind über http://www.heinisch-hosek.at/ erreichbar. Bei meinem Facebookprofil schau ich aber auch immer mal wieder vorbei und lese und kommentiere die Beiträge der PosterInnen.

Immer wieder wird berichtet, dass Buben in der Schule benachteiligt würden. Wie beurteilen Sie als ehemalige Lehrerin die Situation?

Geschlechterspezifische Rollenbilder sind immer noch in unseren Köpfen verankert. Diese Vorurteile, wie Mädchen sind für Sprachen, Buben für Naturwissenschaften geeignet, führen unter anderem dazu, dass Mädchen und Burschen jeweils nur sehr einseitig gefördert werden. Was bei Burschen sicherlich fehlt, sind männliche „Role Models“, weil die LehrerInnenschaft sehr stark weiblich geprägt ist. Es braucht daher mehr männliche LehrerInnen und KinderpädagogInnen sowie einen geschlechtersensiblen Unterricht.

Beim Thema Gleichberechtigung werde ich oft mit dem Argument konfrontiert, dass es Gleichberechtigung nur geben kann, wenn die Wehrpflicht auch für Frauen gilt. Ihre Meinung dazu?

Frauen bekommen nach wie vor weniger bezahlt für die gleiche Arbeit. Frauen sind in Führungspositionen krass unterrepräsentiert und sie tragen die Hauptlast der Versorgungsarbeit. Solange wir in diesen zentralen Bereichen keine Gleichberechtigung erreicht haben, brauchen wir über dieses Thema nicht zu diskutieren.

Wie werden Sie den Internationalen Frauentag am 8. März feiern?

Ich werde alleinerziehende Mütter besuchen, die an der Armutsgrenze leben und es besonders schwer haben, alles unter einen Hut zu bringen. Ich werde mit Männern darüber reden, wie sie es mit „Halbe-Halbe“ im Haushalt und bei der Kinderbetreuung halten. Und ich werde Frauen an ihren Arbeitsplätzen besuchen und mit ihnen über meine Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit sprechen. Und am Abend werde ich dann noch bei der 10-Jahres-Feier von www.diestandard.at zu „Was bisher (nicht) geschah – 10 Jahre Feminismus und Frauenpolitik“ diskutieren.

Eine Fee steht vor Ihrer Tür und erfüllt Ihnen drei (frauenpolitische) Wünsche – welche wären das?

Ich würde mir wünschen, dass Frauen und Männer in Österreich wirklich gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit erhalten, dass die bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Frauen und Männern gleichberechtigt verteilt ist und dass bei uns alle Frauen und Kinder ein gewaltfreies Leben haben können.

Vielen Dank für das Interview!

Links:
Bundeskanzleramt Frauen
Blog Gabriele Heinisch-Hosek
Gabriele Heinisch-Hosek auf Facebook

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